16. Tag, Riga

Pünktlich um 10 Uhr stehen wir vor der Segway-Vermietung. Wir warten und warten, als nach einer Viertelstunde niemand kommt, telefonieren wir. Und dann geht es rassig – eine halbe Stunde später starten wir in Begleitung von Zahne, einer jungen Frau, die uns souverän durch die belebten Strassen Rigas führt und dabei viel Interessantes zu erzählen weiss. Die Stunde geht im Flug vorbei, und wir würden am liebsten noch einmal eine dranhängen, weil es uns allen so viel Spass gemacht hat.

Da heute das Wetter besser ist und am Dienstag alles wieder geöffnet hat, wandern wir noch einmal über die Daugava zur Nationalbibliothek. Man bekommt auch als Tourist problemlos Zutritt und darf das imposante Innere erkunden und geniessen. Wir sind beeindruckt von der Architektur, den edlen Materialien und der Grosszügigkeit des ganzen Baus. Überall finden sich einladende Leseecken mit bequemen Sofas und Sesseln vor riesigen Panoramascheiben, die einen wunderbaren Blick über den Fluss zur Altstadt hinüber bieten. In den Lesesälen liegen sogar jede Mengen Fatboys, auf die man sich flätzen könnte. Das muss ein tolles Arbeiten sein. Julia wünscht sich, es gäbe in der Schweiz etwas Vergleichbares.
Auf dem Weg zu den 4 Markthallen von Riga (den grössten im Baltikum) zieht ein heftiges Gewitter über die Stadt. Ziemlich durchnässt retten wir uns in ein „sozialdemokratisches Café“ in der Speicherstadt, die auch hier eine Renaissance erlebt: es wird intensiv, aber sehr sorgfältig renoviert und instandgestellt, und es entsteht viel Raum für Kultur, z.B. hat die Sinfonietta Riga hier ihr neues Zuhause.

Am späteren Nachmittag schlendern wir zum Radisson Blu-Hotel, das einen Panoramalift bis in den 27.  Stock hat, und es bietet sich uns ein umwerfender Blick über die ganze Stadt. Ganz in der Nähe besichtigen wir die russisch-orthodoxe Christi-Geburt-Kathedrale. Wie alle Kirchen war auch sie zu Sowjetzeiten zweckentfremdet, hier war ein Planetarium und ein Restaurant.
In der St. Petrikirche sollte sogar ein Hallenbad entstehen, was dann aber nicht zustande kam. Dafür hat man die Orgel entfernt und einen Lift in den Turm eingebaut, von dem nun natürlich der Tourismus sehr profitiert. Wir waren nicht oben, freuten uns aber am leuchtend goldenen Güggel auf dem Turm. Alle paar Jahrzehnte wird er heruntergeholt und restauriert. Der Kletterer, der ihn dann wieder montiert, muss traditionsgemäss da oben in schwindelnder Höhe ein Gals Wein trinken und dieses dann hinunterwerfen. So viele Scherben es dabei gibt, soviele Jahre Glück soll das für die Stadt verheissen.
„We are really very supersticious“, schmunzelt unsere Guide, als sie uns diese und viele andere Geschichten über Riga erzählt.

Und so verabschieden auch wir uns von Riga mit einer alten Gepflogenheit: Wir reiben über die Nase eines der Bremer-Stadtmusikanten-Tiere und wünschen uns etwas.

  • Blick über den Fluss Daugava auf die Nationalbibliothek

3 Kommentare

  1. Danke für Eure Reiseberichte. Diese sind spannender als mancher Roman. Herzlichen Dank für diese Bereicherung!
    Gute Nacht und liebe Grüsse
    Rägeli

  2. Super Reiseerläbnis ou für mich ohni den eigenen Hinterteil gspürt zu haben.
    Shöni Fotis met bericht ond Information dazu.

    Froie mi uf die nächste reise! 😉

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